Dueck & Weck – Der Vormittag

Ich komme einen Tag zu spät, um noch ein AKEP-Namensschild zu erhalten (36 Stunden, wenn man den AKEP-Umtrunk von Dienstagabend mitzählt), bei mir steht jetzt Buchtage, und das ist auch fein. Jedenfalls bekomme ich den “Weckruf” von Gunter Dueck noch mit, AKEPs letzte Amtshandlung im bcc, bevor die Buchtage beginnen.

Der kommt mit Anekdoten und Lachern daher, hat es aber in sich und stößt tatsächlich an. Mir bleibt zum Beispiel diese Ansage hängen: dass halbgares Versuchen, sich an etwas anzupassen, das man eigentlich nicht möchte, nicht recht klappen kann. Dueck schießt kleine Pfeile in Richtung der Verlagswelt-wie-sie-sich-heute-präsentiert, z.B. aus Autorensicht  (“Korrekturgelesen werden meine Bücher von meiner Tochter”) und aus Konsumentensicht (“Gut, dann kaufe ich das E-Book zum Preis von 34,90, denn das gebundene Buch kostet ebenfalls 34,90. Ach, das Taschenbuch kostet jetzt 16,90? Das E-Book ist aber das ‘E-Book zum Hardcover’, Preis bleibt…”). Die großen Brocken, die Frage der Notwendigkeit welcher Geschäftsmodelle bei welchen geänderten Bedingungen, die braucht er kaum zu betonen, die merkt der Zuhörer schnell selbst. Das ist ein bisschen gemein.
Immerhin ist der Tenor ein “let´s face it!” Und ein unausgesprochener Aufruf, sich mit Widersprüchen und Schwierigkeiten zu beschäftigen, anstatt sich wegzuducken.

Das ist jetzt interessant. Wenn man nach diesem Weckruf die Eröffnungsreden zu den Buchtagen von Gottfried Honnefelder und Michael Krüger anhört.
Honnefelder streift das aus Radiowutausbrüchen, offenen Briefen, Shitstorms und noch vielem mehr bestehendem “Was bisher geschah” zur Urheberrechtsdiskussion. Krüger vermittelt rhetorisch brilliant vor allem digitale Skepsis. Omnipräsent: das Feindbild Piraten, die nichts Gutes wollen können. Das klingt mehr nach Schützengraben im Gefecht um altes oder ein “neues” Urheberrecht, als nach konstruktiver Kritik, auch wenn Honnefelder das anders sagt und Krüger ohnehin das immer militärischere Vokabular in der Diskussion anprangert.
Man fragt sich, wie der Weckruf Duecks im Programmverlauf aus dem Eröffnungsprogramm, nämlich direkt nach Michael Krüger, in den Morgen rutschen konnte. Es hätte ein “bleibt nicht beim ‘Weiter-so!'” werden können. Vielleicht ein bisschen gemein. Aber eben ein Weckruf an den gesamten Branchenverband – nicht bloß an die Interessierten des digital-affinen AKEPs.

Doch es bleibt am Vormittag bei jenen beiden Reden im Kuppelsaal. Und irgendwie fehlt damit eine Vielstimmigkeit, die man sich für eine Zusammenkunft wie die Buchtage eigentlich wünscht. Eine wenig befriedende Podiumsdiskussion mit Pointen, die sich bestens auf Twitter nachlesen lassen, hilft kaum. Die Stimmen in der großen Debatte um den Umgang mit Digitalisierung und Urheberrecht, mit den Veränderungen, die die Buchindustrie unmittelbar betreffen, scheinen vor allem: aneinander vorbei zu verhallen.

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