Social Media im Verlag: Setup von Alexander Vieß (Börsenverein des Deutschen Buchhandels)

Die Kommission Digitale Kommunikation befasst sich mit neuen Möglichkeiten und veränderten Aufgaben durch Social Media, Web 2.0 und Cloud Computing, den Veränderungen für die Verlagskommunikation sowie neuen Arbeitsformen und Berufsbildern. Mit unserer Serie Social Media im Verlag: Setup von … geben Mitglieder der Kommission Digitale Kommunikation Einblick in ihren Werkzeugkasten fürs Social Web – inspiriert von den Social Media Setups im Blog von Karsten Sauer. Heute haben wir einen Gastbeitrag außerhalb der Kommission. (Wir freuen uns über weitere Zusendungen! Bei Interesse bitte Mail an ladwig@sinnundverstand.net)

Alexander Vieß ist Redakteur Web & Social Media in der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Börsenvereins. Der Börsenverein ist der weltweit der einzige Verband der die drei Sparten der Buchbranche – Verlag, Buchhandel und Zwischenbuchhandel – vertritt. Zur Zeit repräsentiert er ca. 5.600 Mitglieder. Neben seiner Haupttätigkeit arbeitet Alex auch im Forum Zukunft mit und befasst sich dort mit neuen Veranstaltungsformaten, innovativen Entwicklungen der Branche und besonders Social Reading.

Alexander Viess

Welche Tools und Plattformen nutzt du?
Solche, die zum jeweiligen Projekt passen. Es gibt keine festen Tool-Setups, wir probieren gerne mal etwas Neues im kleinen Rahmen aus, um es dann im größeren produktiv zu machen. Natürlich bilden sich dabei dann aber doch einige Lieblingstools heraus. Wir arbeiten sehr viel kollaborativ mit Diigo, seit kurzem habe ich IFTTT für mich wiederentdeckt, YouTube ist klar, Facebookseiten je nach Projekt, Facebookgruppen sehr häufig, Twitter, Storify bei Veranstaltungen, Slideshare für Präsentationen. Dann laufen hier noch verschiedene CMS wie Six, das Open-Source-System Redaxo und – mein Liebling –  WordPress. Nicht leben könnte ich ohne Google Reader. Für einige meiner Kollegen haben wir aber auch Netvibes– und Feedly-Setups aufgesetzt, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Google Reader auf Nicht-Nerds oft noch zu technisch wirkt. Twitter und Facebook nutze ich häufig über TweetDeck (mobil) oder Hootsuite (am Arbeitsplatz). Ich friemel auch gerne mal mit offenen APIs rum und mag die Idee von Pipes, leider wird dieser Dienst von Yahoo aber so stiefmütterlich behandelt, dass man es nur schwer in sicheren Umgebungen einsetzen kann.

Wo siehst du die Vor- und Nachteile von Social Media für dein Unternehmen?
Der Börsenverein ist ein Verband, der die Interessen seiner Mitglieder vertritt. Wir nutzen Social Media deshalb gerne für die Kommunikation mit unseren Mitgliedern und bieten Plattformen für die Mitglieder untereinander. Es gibt aber auch einige Projekte – zum Beispiel der Vorlesewettbewerb, der Deutsche Buchpreis oder die Aktion Lesefreunde – die sich direkt an „Endkunden“ richten.

Ein großer Vorteil von Social Media (zumindest bei uns), ist, dass sich dadurch Kollegen aus der gesamten Geschäftsstelle zusammenfinden – auch aus Abteilungen, die nicht unmittelbar mit Kommunikation befasst sind. Wir haben begonnen, immer wieder neu fluide Redaktionsteams zusammenzustellen, die dann über einen kurzen Zeitraum zusammenarbeiten.

Eine Schwierigkeit ist – und da wiederhole ich schamlos das, was meine Kollegen in den Setup-Vorstellungen zuvor auch schon gesagt haben –, dass Social Media irre zeitfressend ist. Ich stoße häufig auf den Gedanken „Facebook kostet nichts, Twitter kostet nichts, also kostet Social Media auch nichts.“ Und das ist in Teilen gar nicht mal so falsch gedacht: Die Investitions- und Anschubkosten halten sich tatsächlich im Rahmen, dieser „Ersparnis“ stehen aber hohe Zeit-/Personalkosten gegenüber, die sich gerade zu Beginn nur schwer schätzen und beziffern lassen.

Zweiter Nachteil: Die Erfolgsmessung ist schwierig und die nötigen Parameter müssen immer wieder neu bestimmt werden. Gerade bezüglich Social Media herrschen oft noch Vorstellungen einer direkten und skalierbaren Verbindung zwischen, sagen wir, Followerzahlen und Einnahmen. So einfach ist es leider nicht. Es bleibt nur, genauere Annäherungsweisen für die Bestimmung des Erfolgs zu finden. Klare Zielvorgaben sind dafür unumgänglich aber nicht selbstverständlich.

Alexander Vieß bei der Arbeit (mit den Kolleginnen Anke Naefe und Maria Zagar beim Buchcamp 2012).

Was erreichst du im Social Web für euer Unternehmen?
Zu den Dienstleistugen des BÖV gehört der Wissensaustausch, die Vernetzung der Mitglieder und Projekte, die den Innovationsprozess der Branche unterstützen. Diese Aufgaben spiegelt auch unsere Kommunikation. Social Media hat in diesem Zusammenhang eine Schnitstellenfunktion, die vielen Beteiligten in Einzelprojekten helfen kann, ein Verständnis dafür zu entwickeln, was da kommen mag. Meine drei Lieblingsbeispiele: Das BuchCamp, das vom Forum Zukunft, einer Art Metabateilung mit Kollegen aus allen Unternehmensbereichen, organisiert wird. Die Zukunftskonferenz, die letztes Jahr einen spürbaren Impuls in die Branche gab und ganz viele Leute zusammenführte, die sonst hierarchiebedingt nicht viel miteinander zu schaffen haben. Und das zur Zeit laufende Projekt protoTYPE, bei dem wir wild durchmischten Teams aus der gesamten Branche und dem Nachwuchs Werkzeuge und Know How an die Hand geben, damit diese Ideen entwickeln können, die die Branche voran bringen.

Zudem kommen natürlich auch die üblichen Vorteile von Social Media zum Tragen: Die Vernetzung mit zum Teil sehr spitzen Zielgruppen, die Information unserer Mitglieder, der direkte Feedbackkanal (der auch wirklich genutzt und gehört wird), das Branding von Projekten, die Identifizierung von Influencern usw. Aktuell am spannendesten ist für mich alles, was mit Social Media für Events zu tun hat und die Beschäftigung mit den Möglichkeiten und Geschäftsmodellen von Social Reading.

Wie trennst du Privates und Berufliches in Social Media?
Nach langem Rumüberlegen gilt zumindest für mich: Gar nicht. Ich habe das Glück in einer Branche zu arbeiten, die mich unabhängig von meinem Job interessiert, deswegen gibt es große Überschneidungen meiner Privat- und Job-Interessen. Ich verstehe nicht, warum ich ein Alter Ego im Netz schaffen sollte. Gerne wird ja das Bild eines Personalchefs genommen, der nach Sichtung der Accounts eines Bewerbers diesen nicht mehr anstellt. Ich sehe das so: Wenn ein Arbeitgeber nicht damit zurecht kommt, dass ich abends mit Freunden ein Bier trinken gehe (Foursquare-Checkin), ein Wochenende in einem Club durchtanze (Instagram-Fotos) oder mich auch in deftigeren Worten online über ein Thema streite (Facebook-Diskussion), dann passen wir wohl einfach nicht zusammen. Ich habe aber nicht die Erfahrung gemacht, dass Personaler so paranoid sind und glaube, dass das Thema medial etwas aufgeblasen wurde.

Andersrum finde ich aber wichtig, Möglichkeiten zu finden, die es „scheueren“ Mitarbeitern erlauben, trotzdem aktiv zu werden, ohne dass sie Angst haben müssen, ihre Bankdaten stünden morgen auf Google+. Guidelines oder eine Social Media Policy können diesbezüglich helfen.

Der mobile Arbeitsplatz von Alexander Vieß: AKEP-Sprecher Steffen Meier bestaunt die Social Media-Zentrale des Börsenvereins bei den Buchtagen 2012.

Dein Motto, Leitspruch für Social Media?
Ich mag eigentlich keine Mottos im Sinne von normativen Lebensmaximen, aber zwei Zitate begeleiten mich seit meinen ersten Schritten im Netz und haben sich immer und immer wieder bestätigt:

„The future is already here – it’s just not very evenly distributed yet.“ (William Gibson)

„Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.“ (Arthur C. Clarke)

Social Media Links
Einmal quer durchs Beet und ohne Garantie auf Vollständigkeit:

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Social Media Setups der Mitglieder Kommission Digitale Kommunikation:

Heike Schmidt, UTB 

Tina Pfeifer, Bastei Lübbe

Wolfgang Walz, Wiley-VCH

Steffen Meier, Ulmer Verlag

Frank Krings, Frankfurter Buchmesse

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