Reisebericht von der Publishers’ Tour 2016 ins Silicon Valley und zur CES

Vom 3. bis zum 9. Januar fand die zweite AKEP Publishers’ Tour statt. Ziel war diesmal die Westküste der USA mit dem Fokus auf die erfolgreiche Startupkultur im Silicon Valley und die führende Technologiemesse für Unterhaltungselektronik – die Consumer Electronic Show in Las Vegas (CES).


IMG_6048In San Francisco besuchten die Teilnehmer mit Fyber© eines der weltweit führenden Unternehmen, wenn es um Marketing für und in Apps geht. Als eines der ersten Unternehmen erkannte Fyber (2009 als Sponsorpay in Berlin gegründet), dass es bei täglich 500 neuen Applikationen im Appstore nicht ausreicht, alleine auf gute Inhalte oder innovative Funktionalitäten zu setzen, um in den Downloadcharts vertreten zu sein. Mit incentivierten Installationen schuf die Firma ein Format, das es den Nutzern ermöglicht, bestimmte Inhalte zu konsumieren, wenn sie im Gegenzug eine App von einem Werbepartner von Fyber herunterladen. Der Werbepartner sponsert gewissermaßen den Inhalt. Was hat der Werbepartner davon? Durch die erzielten Downloads steigt seine App in den Charts und wird so sichtbarer. Fyber wurde vor 2 Jahren von einem größeren Werbenetzwerk gekauft. Ein gutes Beispiel dafür, dass es auch als deutsches Startup möglich ist, erfolgreich in die USA zu expandieren und erhebliche Unternehmenswerte zu schaffen.

In den Räumen des German Silicon Valley Accelerators, der deutsche Startups beim Einstieg in den US-Markt unterstützt, wurde klar Stellung bezogen: In den meisten Branchen macht der US-Markt circa 60% des Weltmarktes aus. Deswegen werden Unternehmen, die sich in den USA durchsetzen, fast immer auch Weltmarktführer. Dies erklärt, warum in Europa bisher keine Googles, Facebooks etc. entstanden sind und wohl auch nicht entstehen werden. Fazit: Wer einen Weltmarktführer aufbauen will, darf sich nicht auf den deutschen Markt beschränken. Dieser Aussage und der, dass es zunächst darum gehen müsse, Marktanteile zu gewinnen und nicht auf die Profitabilität zu achten, schlossen sich spannende Diskussionen an, die auch beim Abendessen in Fisherman’s Warf im Teilnehmerkreis fortgesetzt wurden.

Das dritte besuchte Unternehmen war das Silicon Valley Technology Center von Microsoft. In modernsten gläsernen Büroräumen wurden den Teilnehmern innovative Basistechnologien für Augmented Reality vorgestellt. Die Technologiedemonstrationen zu Bilderkennung, künstlicher Intelligenz (Machine Learning) und Augmented Reality gaben einen guten Eindruck, wie kurz vor der Serienreife diese bahnbrechenden Technologien bereits sind. Wenn sie in 2-5 Jahren den Massenmarkt erreichen, werden sie die Art, wie wir Inhalte konsumieren, grundlegend verändern. Vielleicht wird dann auch die Dominanz der Suchmaschinen durch einen neuen Gatekeeper für Inhalte ersetzt – durch die Künstliche Intelligenz? Für die Geschäftsmodelle der Fachverlage wie der Publikumsverlage öffnen sich damit weitere neue Chancen und Herausforderungen, wenn sie sich mit diesen Themen in den nächsten Jahren intensiv auseinandersetzen.

IMG_6057Die CES in Las Vegas als führende Fachmesse für Unterhaltungselektronik (mit 170.000 Fachbesuchern!) in einem Absatz zu beschreiben ist ein quasi unmögliches Unterfangen. Hier sei auch auf den spannenden Beitrag von Knut Nicholas Krause auf der AKEP-Tagung 2016 verwiesen. Die Bandbreite der Technologien reicht von Drohnen bis hin zu 3D-Druckern für Anschauungsobjekte in der Medizin. Einer der für Verlage vielleicht relevantesten Technologieschwerpunkte war Virtual Reality, der ein gutes Drittel einer gesamten Messehalle einnahm. Bereits im Januar konnten die Teilnehmer die Version der Oculus Rift testen, die inzwischen an erste Kunden verschickt wurde. Wird „Virtual Reality“ also zum “next big thing“, nach dem alle Technologieanbieter suchen? Auch hier gilt es für die Verlage, möglichst frühzeitig Chancen und Gefahren zu erkennen und zu investieren, wo es passt. Bereits heute stehen im Oculus Store mehr als 10.000 Impressionen der schönsten Orte der Welt. Im Erdkundeunterricht können die Kinder in den USA daher im 3D-Format betrachten, wie es im Grand Canyon oder in der Antarktis aussieht.

Zu den interessantesten Bereichen gehörte definitiv der Start-up-Bereich im Keller der zentralen Messehallen. Diese Start-ups zeigten insbesondere im Bereich der Sensorik hochinteressante Neuigkeiten, die oft erst als Muster existierten. Häufig sind sie auch in kleinen Zusammenschlüssen entstanden, die noch gar keine Firmen sind, sondern auf der Suche nach investitionsfreudigen Partnern. So zum Beispiel die Erfindung eines kleinen Sensors eines indischen Start-ups, der auf den Rücken geklebt wird, duschbeständig ist und proaktiv vor Asthmaanfällen warnt. Abschließend betrachtet, kann man sagen, dass die Zeit, um alles zu sehen, auf der CES sicherlich zu knapp bemessen war. Die Vielzahl an Eindrücken, Ideen und Inspirationen ist aber so beeindruckend, dass man jedem Verlag empfehlen möchte, zumindest alle 5 Jahre einmal auf der CES vorbeizuschauen.

Anna Metzner und Dr. Alexander Trommen

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