Keynote von Sascha Lobo: Die Buchstaben-Zukunft liegt in der Vergangenheit

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Die Buchtage in Berlin sind quasi ein “Klassentreffen” bekannter Gesichter. Mittendrin steht Sascha Lobo: Autor, Journalist, Blogger, Speaker und nun auch Verleger.

Sascha Lobo hielt die Keynote zur Jahrestagung des Arbeitskreises Elektronisches Publizieren. Wer seine Veröffentlichungen bei Spiegel.de zum Thema Urheberrecht liest oder seinen Auftritt in der TV-Sendung “Rundshow” im BR mit Richard Gutjahr verfolgte hat, kennt seine Meinung zum Thema Datenklau.

Sascha Lobo mag Datenklau nicht!

Sascha betont: “Ich mag es nicht. Es ist mir unsympathisch, wenn Sachen einfach genutzt werden.” Trotzdem sei das Thema nicht einfach wegzureden; der Sachverhalt des digitalen Kopieren besteht. Der Kunde möchte ein Produkt beispielsweise auf dem Wege des Downloads sofort erhalten – es besteht also ein Bedürfnis. Also sollte sich die Verlagswelt dieser Nachfrage bewusst sein und innovativ darauf reagieren.

Buchstabenvertreter: Was oder wer ist das?

In seinem Vortrag “Die Zukunft des Buchstabenverkaufens” erinnert Sascha Lobo an die grundlegenden Inhalte des Buches: Buchstaben. Das Buch besteht aus Buchstaben (Content), egal wie diese dargeboten werden.

Und dabei unterscheidet Sascha in seinem Vortrag nicht in Gruppen wie Autoren, Verleger, Buchhändler und Leser. Für ihn sind sie zusammen die Protagonisten der Buchstabenwelt, welche Inhalte produzieren, herstellen, vertreiben und konsumieren.

Ausgehend von einer Analyse der Geschichte der Buchwelt lautet Lobos Resümee:

Die Zukunft des Buchstabenverkaufs liegt in der Vergangenheit.

Sascha Lobos – als Irokesen-Schatten rechts im Bild – Grundthese: Die Zukunft liegt in der Vergangenheit

“Vorwärts in die Vergangenheit” heißt bei Lobo das Motto seines Denkanstoßes an die Verlagswelt. Er argumentiert, dass viele der aktuellen Verlagsthemen schon in den vergangenen 500 Jahren der Buchkultur auftauchten.

Anhand von 14 Denkanstößen – belegt mit historischen Beispielen – zeigt Sascha auf, wie der BUCHSTABENhandel weiterleben kann und professionell im Zeitalter der digitalen Vernetzung Inhalte produzieren sollte.

Nach der Feststellung, dass die Vorfinanzierung – also “Einbindung der finanziellen Interessierten von Beginn an” – festgelegt und berücksichtigt werden sollten (ökonomische Ziele), erfolgte der Aufruf nach einer Neudefinition von Verlagen.

Produktfolie Sascha Lobo Akep 2012

Wandel der Verlagswelt: Vom Produkt zum Service

Das Buch ist nicht länger das Produkt der Verlage.

Das neue Geschäftsmodel ist der Verlag als Servicedienstleister!

Lobos Ausgangspunkt ist, dass das Produkt Buch auch zum Nulltarif verkauft werden kann. Ausschlaggebend beim Erfolg der “Buchstabenwelt” ist der Service. Dies zeigt bereits das historische Beispiel der Lesezirkel, indem der Leser dort nicht das einzelne Buch/ die Zeitschrift kauft, sondern den Service: Das Buch wird ausgeliefert, wieder abgeholt und der “Leihservice” vom Kunden bezahlt.

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Sascha Lobo plädiert für das WWW, denn Apps und technische “Spielereien” sind nur Beilagen und nicht der Hauptgang.

Zum Schluss der Keynote – Einzelheiten gibt es später – gab Sascha Lobo die Gründung seines Verlags bekannt.

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Sascha Lobo geht mit der Gründung des Verlages SOBOOKS unter die Verleger.

Was macht Lobo als Verleger anders?

Die Spannung wächst und es bleibt uns nur noch abzuwarten, womit uns Sascha als Verleger überraschen wird, denn zum Programm und Publikationsform seines SOBOOKS- Verlags möchte sich Lobo noch nicht genauer äußern. Dennoch deutet er die Richtung seines Verlagskonzeptes an, indem er in seiner Keynote die Betonung auf “Autorenverlag, Autorencommunity” legt. Wir bleiben dran!

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