Experimentieren, liebe Verleger

>Über Wege, mit Kreativ-Sein zu überleben< hätte auch der Session-Titel auf dem #AKEP12 von Leander Wattig lauten können.

Wer Leanders Vortrag „Geschäftsmodell-Labor Internet: Perspektiven für Verlage in der Filesharing-Welt“ verpasst haben sollte, kann seine Präsentationsfolien einsehen, denn er spricht nicht nur über die neues Tools im WWW, Leander praktiziert diese auch.

So veröffentlicht er beispielsweise seine Folien zu seinem Vortrag auf der AKEP-Jahrestagung des Arbeitskreises Elektronisches Publizieren (Börsenverein des Deutschen Buchhandels) am 20.06.2012 in Berlin:

Geschäftsmodell-Labor Internet – Perspektiven für Verlage in der Filesharing-Welt

Klassische Geschäftsmodelle erleben in der Welt des WWW einen Wandel.

Viele der bisherigen Ansätze gehen von der Welt der physischen Produkte aus; die Lösung der Zukunft muss „webgemäß“ sein und sollte eine Win-Win-Situation für Produzenten und Konsumenten hergestellen.

Leander Wattig bemerkt: “Verlage fragen sich zunehmend, was ihre eigentliche Kernaufgabe ist; anscheinend nicht, Bücher zu drucken.”

Den richtigen Weg zur „Verlagswelt der Zukunft“ sieht Wattig in der Orientierung an Kundenwünsche. Künden wünschen ihre ausgesuchten Produkte schnell und einfach zu erwerben: Möglichst wo sie sind, zu jedem Zeitpunkt, und einfach – also ohne Umwege und technische Hürden (DRM).

Forderung: Transparenter Dialog ist notwendig

Das Internet hat die Zielsetzung der Geschäftswelt verändert – der Verlagswelt inbegriffen – gewandelt. Das Problem besteht laut Wattig darin, dass die Akteure – Verleger, Autoren, Konsumenten – aneinander vorbeireden. Die Herausforderung besteht darin, die berechtigten Standpunkte der verschiedenen Interessensgruppen zusammenzufügen.

Als Ziel definiert Leander Wattig: „ Die Verlage sollten den Zugang zu Inhalten selbst bestmöglich herstellen und dennoch Geld verdienen. Das Problem besteht darin, das viele bestehende Geschäftsmodelle auf Zugangsbeschränkungen ausgerichtet bzw. hin optimiert sind. Alternativen sind unsicher oder unbekannt.“

Es bedarf einer weiteren Entwicklung von Kommunikationsräumen! Wattig kritisiert die Akteure, welche seiner Beobachtung nach – auch auf internationaler Ebenen -„nicht transparent genug miteinander einen Dialog führen“.

Experimentierfreude ist der Weg…

…denn Kunden wünschen neue Tools und neue Ansätze.

Und da sind wir auch direkt bei dem Thema. Frei nach dem Zitat „Probieren geht über Studieren“ sieht Leander Wattig im „Experimentieren“ und der „Experimentierfreude“ das A und O. Verlage sollen bzw. müssen seiner Meinung nach mehr Erlebniswelten schaffen, unabhängig vom Buch. Der Mehrwert, um mit seinen Content den Käufer zu erreichen, liegt u.a. auch in der „Lösung von Produkten hin zu Erlebnis- und Autorenmarken“.

Als Beispiel sei der Autormobilhersteller VW genannt, welcher die Welt der „Mobilität“ verkauft – was eine Ausweitung vom Transportmittel Auto bis hin zum Bankgeschäft ermöglicht.

Die Herausforderungen besteht laut Wattig darin, ein experimentierfreudiges Umfeld zu schaffen, also eineOrganisation zu schaffen, mit einem Mindset der Mitarbeiter und einer sich rechnenden Kostenstruktur”.
Viele Unternehmen leben es vor: In weniger Zeit – ohne viel Geld zu investieren – neue Gechäftsmodelle ausprobieren. Beispielsweise entwickeln sich laut Wattig kleinere Start-ups, welche auch um Interessensgemeinschaften gruppiert, beispielsweise das Thema Reisen und Reisecontent, sein können, tauschen sich aus und entdecken sowie erproben neue Wege.

Piraterie muss nicht sein!

Augenblicklich sind laut Wattig wenig Bücher überhaupt im Netz als eBook zu finden: diese Unzugänglichkeit führt laut Leander Wattig zur Illegalität.
Denn laut Wattig ist ein häufiger Grund für Piraterie und illegalem Filesharing, ein Mangel an nicht ausrechend attraktiven Angeboten im Netz, welche für den Kinden „einfach“ zugänglich sind. Einfach in Hinblick auf Technik und Auffindbarkeit.

Werden legale, attraktive und verfügbare Produkte im Netz angeboten, dann gehen die Kunden weniger zu Tauschbörsen und es gibt weniger Piraterie.
Sein Ausblick: “Der rechtliche Rahmen des Urheberrechts genauso wie die Geschäftsmodelle den neuen technischen Gegebenheiten anpassen müssen.” Zum Thema Urheberrecht befragt, meint er: „ Das Urheberrecht wurde zu anderen technischen Zeiten geschaffen! Der Markt hat sich seitdem verändert. Heutzutage stellt sich die Frage: Wie können wir als Gesellschaft den Zugang zu und die Erzeugung von vielen Inhalten – auch Büchern – ermöglichen?“

Daher sieht Wattig ein „fortwährendes Experimentieren“ als absolut notwenig an! Sein Ausblick:

Publikumsverlage als Erlebnisagenturen – Fachverlage als Problemlöser.

Leander Wattig sieht den Wandel zur “Erlebniswelt Verlag”

Verlage fragen sich zunehmend, was ihre eigentliche Kernaufgabe ist? Anscheinend ist es nicht (nur) Bücher zu drucken. Leander Wattig Ausblick ist: “Ich sehe Publikumsverlage eher als Erlebnisschaffer, mit allen Mitteln und Möglichkeiten, während Fachverlage als Problemlöser funktionieren werden. Bücher sind dabei nur ein Teil-‘Element’ unter vielen.”

Bei alledem sind aber immer – und auch künftig – die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden entscheidend!

Lander Wattig nach einen Tipp gefragt, was von der #AKEP-Tagung mitzunehmen sein, empfiehlt er: „Von den Sachen und Systemen, die man bekämpft, kann und sollten wir lernen, Mechanismen beobachten und begreifen? Die Piraten zeigen uns ganz genau ihre Kundenwünsche und wo sie aktiv sind. Sie zeigen auch, mit welchen Tools sie arbeiten – das sollte man beobachten. Die deutsche Verlagswelt ist im der Zwangslage sich nun gegenüber Autoren und Leser rechtfertigen zu müssen, was sie leistet.“

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