Branchendialog E-Publishing Bitkom 25.3.2015: Internet of Things & Roboter-Journalismus

 

Branchendialog in der Hauptstadt-Repräsentanz von E-Plus

Branchendialog in der Hauptstadt-Repräsentanz von E-Plus

In regelmässigen Abständen findet seit nunmehr drei Jahren der Branchendialog E-Publishing statt, organisiert vom Bitkom und unterstützt durch den AKEP, bei dem Vertreter der IT-Industrie mit Verlagsmenschen zusammentreffen, um sich über neueste Entwicklungen zu unterhalten und auch trefflich zu diskutieren, wenn mitunter “old” auf “new economy” trifft. Am 25.3.2015 wurde deshalb nach Berlin in die Hauptstadt-Repräsentanz von E-Plus geladen, Themenschwerpunkte sollte “Internet of Things” und Roboter-Journalismus sein.

Vorträge gab es hierzu von Gerrit Pohl, Senior Evangelist Developer bei Microsoft Deutschland – und vielen auch noch als fulminanter Keynote-Speaker der letzten AKEP Jahrestagung in Erinnerung. Er widmete sich dem Thema “Zwischen Basisnutzen und dem Internet of Things: künftige Geschäftsmodelle für die Content-Industrie” und spannte damit gleich den Bogen zum diesjährigen Haupt-Thema der AKEP Jahrestagung in Berlin.

Gerrit Pohl (Microsoft)

Gerrit Pohl (Microsoft)

Dabei wurde viel über Wandel und Disruption gesprochen, was wiederum der Schreiber dieser Zeilen im nachfolgenden Vortrag unter dem Titel “Verlage als Solution-Provider? Ein Blick auf Verlage ausserhalb ihrer angestammten Geschäfts- und Produktfelder” gerne aufnahm. Vor allem die Differenzierung zwischen der Christenschen (“Weltuntergang”) und Schlumpeterschen (“Hoffnungsschimmer”) Definition der Disruption ist für Verlage in der derzeitigen Diskussion vielleicht ganz hilfreich – aber dies wird Thema eines späteren Blogposts werden.

Weiter ging es mit Nicolas Zimmer von liberio, einer Publishing-Plattform (nicht nur) für Selfpublisher, der einen Einblick in das Thema “Data Driven Publishing für Autoren” gab. Das Erfassen, vor allem aber die Analyse dieser Nutzungsdaten, die ja gerade nach der Kobo-Studie weltweit in der Verlagsbranche sehr kontrovers diskutiert wurden, ist eines der großen Themenfelder der nächsten Jahre für Verlage. Und obwohl eBooks aufgrund der zugrundeliegenden Web-Technologien ähnlich wie das Internet in großer Tiefe messbar sind, stehen dem doch immer die großen Plattformen gegenüber, die diese Daten in der eigenen Ökonomie halten. Nicolas Zimmer hat übrigens eine Javascript-Library, die eBooks um solche Analysemöglichkeiten erweitert, als Open Source auf GitHub veröffentlicht – für alle, die das gerne einmal ausprobieren möchten.

Heiko Willers (Content Fleet)

Heiko Willers (Content Fleet)

Danach ging es an das Thema Roboter-Journalismus, mit Johannes Sommer von Retresco, der einen Überblick über den Status Quo gab. Neben vielen Beispielen kamen auch hier die disruptiven Elemente (“Fast 50% aller Jobs sind in den nächsten 20 Jahren von Robotern bedroht”) zur Sprache, aber eben auch die Möglichkeiten, die sich ergeben. Über “Chancen und Grenzen von Roboterjournalismus” sprach abschließend Heiko Willers von Content Fleet, die mit Datenanalysen und Content-Aggregation Online-Angebote wie curved.de oder auch Content-Plattformen von Industrie-Unternehmen unterstützen. Und auch wenn beide betonten, dass Roboter-Journalismus Abläufe automatisiert, die “journalistischen Edelfedern” also entlastet und damit mehr “guten Journalismus” ermöglicht, bleibt doch Fakt, dass sich wohl eher branchenfremde Unternehmen dieser Möglichkeiten annehmen werden – mit wenig Berührungsangst und gut gefüllter Portokasse. Aber das ist eben auch ein weiteres Kennzeichen für die (hoffentlich Schlumpetersche) Disruption, die ansteht.

Wer übrigens selbst einmal testen möchte, ob sich Roboterjournalismus von “echtem” Journalismus so einfach unterscheiden läßt, für den hat die NY Times hier ein kleines Quiz.

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