#akep16: Lieber Kunde, wann kaufst du?

Publikumsverlage stehen im digitalen Wandel vor großen Herausforderungen. Wie können sie nachhaltige Erlöse auf digitalen Plattformen erzielen? Wann sind die Leser bereit zu zahlen? Einen Einblick zu dem Thema gab Tobias Henning, General Manager Premium bei BILD digital – und lernte nebenbei die Probleme der Buchbranche kennen.

Die Zahlen waren ernüchternd: Die BILD-Zeitung hat in den letzten zehn Jahren ihre Auflage nahezu halbiert. Anstatt in Angststarre zu verfallen, musste eine Lösung her, um diesen Trend zu stoppen. Deshalb entschloss sich die Tageszeitung vor drei Jahren, ein Bezahlsystem einzuführen. Sie orientierte sich dabei an AFTONBLADET, einer Zeitung aus Schweden, die das Freemium-Modell vor über 14 Jahren einführte und Erfolg hatte.

Tobias Henning
Derzeit gibt es drei digitale Erlösmodelle bei den Zeitungsverlegern: Das Full Paid Modell, das Countdown /Metered Modell und das Freemium-Modell.

»The Times« arbeitet mit dem Full Paid Model. Hier können die Nutzer jeden Artikel lesen – sofern sie ein Abonnement haben. Bei dieser harten Bezahlschranke ist für nicht Abonnenten die Startseite sichtbar.

Ein wenig anders funktioniert es bei »The New York Times« und ihrem Countdown / Metered Model: Hier kann jeder User im Monat eine bestimmte Anzahl an Artikeln frei lesen. Nachdem dieses Kontingent allerdings aufgebraucht ist, tritt die Zahlschranke ein. Genau hierin sieht Tobias Henning ein Problem: »Dieses Modell kommt dem Nutzer zu willkürlich vor.«

Deshalb hat sie die BILD für das Freemium-Model entschieden. Die Nutzer können freie Artikel immer lesen. Nur ausgewählte Artikel, die von der Redaktion ausgewählt werden, sind kostenpflichtig. Für die Auswahl gibt es einen Kriterien-Katalog. Allgemeine Informationen und News sind dabei immer frei – denn die gibt es überall im Netz zu lesen. Artikel hingegen, die einen Mehrwert haben, aufwendig recherchiert sind und exklusive Geschichten, Fotos oder Videos enthalten, sind kostenpflichtig. Inzwischen spielt bei der Auswahl der Bezahlinhalte auch eine gute Portion Erfahrung mit.

PodiumsdiskussionMit diesem Modell hat BILD 321.000 zahlende Abonnenten innerhalb von 3 Jahren generiert. Die internen Statistiken verraten, dass ein zahlender BILDplus-Abonnent inzwischen ein 12faches der Erlöse eines Free-Users generiert. Eine große Angst, dass durch die Bezahlschranke ausgewählter Artikel die Reichweite der Seite leiden wird, hat sich nicht bewahrheitet, da diese in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen ist.

Inzwischen gibt es BILDplus-Artikel in alle Ressorts – die größten Anteile haben Entertainment, Sport, News und Regionales. Außerdem sind die digitalen Einnahmen ein wichtiges, großes Standbein des Verlags geworden, nicht zuletzt durch die vielen neuen Kooperation, die durch BILDplus möglich geworden sind.

In der anschließenden Podiumsdiskussion versuchte Henning, die Probleme der Branche zu verstehen. Für Poppy J. Anderson, eine bekannte Selfpublishing-Autorin, ist es wichtig, sichtbar im Buchhandel zu werden. »Digital ist die Sichtbarkeit viel schwieriger und das Ranking entscheidet über Erfolg oder Misserfolg«, so die Autorin. Für Constance Landsberg von Skoobe stellt sich die Frage gar nicht, ob ihre Plattform gegen das gedruckte Buch antritt. »Wir kämpfen vielmehr um die Aufmerksamkeit des Smartphone-Nutzers«, so Landsberg. Ähnlich sieht es Dorothea Martin, Head of Content bei oolipo. Sie sucht Stoffe für die Millennials: »Wir suchen Stoffe für Leser, die sich nicht mehr als solche begreifen.«







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