#akep16: Blinde Kuh oder Veranstaltungsformate mit Zukunft – Welche Events braucht die Branche?

In diesem Jahr fand zum mittlerweile 10. Mal die re:publica statt, eine Konferenz, die je nach berichtendem Medium wahlweise als „Internet-Konferenz“, „Blogger-Treffen“ oder „Treffen der Netzszene“ betitel wird. In den 10 Jahren seit Entstehen dieses Veranstaltungsformats hat sich die Konferenz zu einem Event mit 8.000 Teilnehmern entwickelt – und auch die Wahrnehmung der re:publica wandelte sich von einem „Klassentreffen“ zu einer Ernst zu nehmenden Veranstaltung über die Internet-Gemeinde hinaus.  Selbst der buchreport kam nicht umhin, über die „weltweit bedeutendste Digitalkonferenz“ zu berichten – musste aber im letzten Jahr feststellen:

„Keine wesentliche Rolle spielte allerdings bei alldem die Buchbranche, die nirgends explizit im Fokus stand.“

Ich dagegen habe im Gegenteil sehr viele Menschen aus der Branche vor Ort getroffen und mich mit ihnen ausgetauscht – das waren aber natürlich alles Leute, die sich aus Interesse oder auch aufgrund ihres Jobs mit dem digitalen Wandel beschäftigen: Online-Marketing-, Presse- oder Social Media-Manager aus Verlagen. Viele mussten entweder Urlaub für diese Veranstaltung nehmen oder bekamen maximal einen Tag zähneknirschend als „Fortbildung“ freigestellt. 

Die Einstellung der Branche bezüglich Veranstaltungen, die wie die re:publica gesellschaftspolitische Themen aufgreifen und medienneutral betrachten, dies aber nicht explizit im Kontext der Buchbranche tun, hat Wibke Ladwig in einem Kommentar wunderbar auf den Punkt gebracht:

„Wenn nicht explizit „Buch“ dran- und draufsteht, ist es nicht relevant. Siehe auch Barcamps. Dabei wird immer so gern von interdisziplinärem Ausstausch gesprochen.“

Im letzten Jahr hat sich aus meiner Sicht innerhalb der Branche jedoch viel getan; eine engagierte neue Generation ist dem Stadium des Branchennachwuchs entwachsen und trägt das Interesse an neuen Technologien, digitalem Wandel und Internet-Phänomenen in die für den Wandel relevanten Positionen der Branche. Blogger Relations sind kein Fremdwort mehr, sondern bereits eine Schlüsselqualifikation; LektorInnen, VerlegerInnen, BibliothekarInnen oder BuchhändlerInnen twittern, pinnen, snappen oder instagramen zwar privat, aber doch immer mit Bezug zu ihrem Beruf – wodurch sie meist auch zu Markenbotschaftern für die Verlage und Buchhandlungen werden, in denen sie arbeiten. Ist es da nicht sinnvoll, als Verlag, Buchhandlung oder Bibliothek auch aktiv daran teilzuhaben, welche Entwicklungen uns alle in den nächsten Jahren erwarten? Ja, vorausgedacht, dies vielleicht zu einem Vorteil auszubauen und durch ein vorgelebtes Innovationsdenken die Mitarbeiter zu motivieren, auch einmal Neues auszuprobieren, das langfristig Kunden bindet?

Nina Reddemann, Audience Development Manager beim Carl Hanser Verlag, hat es folgendermaßen ausgedrückt:

„Mittlerweile ist die re:publica auch für die Digitalen in der #Buchbranche ein Treffpunkt geworden. Wir tauschen uns aus, überlegen gemeinsam, wie wir mache Dinge weiterbringen und nutzen die drei Tage in Berlin, um wieder ein Stück motivierter an den Schreibtisch zurückzukehren.“

Ich selbst werde durch den Input und die Vielseitigkeit der Themen dort immer wieder daran erinnert, wie wichtig es ist, über den (digitalen) Tellerrand zu schauen. Zum Glück muss ich dafür nicht mehr ein ganzes Jahr bis zur nächsten re:publica warten, denn es haben sich auch innerhalb der Buch- und Kulturbranche neue Veranstaltungsformate entwickelt, die aktiv den Austausch und Wissenstransfer fördern. Neben Barcamps wie dem ebookCamp oder der stARTcamp-Reihe, dem E-Book Festival oder der future!publish ist hier vor allem die Direttissima-Konferenz zu nennen, die in diesem Jahr zum ersten Mal stattfand. Dabei fällt auf, dass sich neben den Inhalten auch die Formate der Veranstaltungen ändern: „frontal“ scheint out, „Round Table“ ist aber auch hier nicht das Allheilmittel. Man könnte tatsächlich von „form follows function“ sprechen – im Idealfall erhält jedes Thema das Format, das es braucht, und dadurch die Zuhörer und Teilnehmer, die daran wirklich interessiert sind.

Nachdem auch die #akep-Jahrestagung sich weiterentwickelt und weiterentwickeln muss, stellen wir von der Kommission für digitale Kommunikation und Marketing uns im Rahmen der #akep16 folgende Fragen: Welche Events braucht die Branche? Was sind die idealen Event-Formate für wen? Gibt es überhaupt das eine perfekte Format? Das wollen wir diskutieren – mit  OrganisatorInnen und VordenkerInnen unterschiedlicher neuer Veranstaltungen, aber auch mit den anwesenden TeilnehmerInnen der Diskussionsrunde und des Workshops.




1 comment

Liebe Katharina, und ein ziemlich wichtiges Event wurde direkt unterschlagen. Findet doch in vier Wochen das erste Literaturcamp in Heidelberg statt 😉

http://literaturcamp-heidelberg.de/
#litcamp16

Liebe Grüße
Susanne

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