#akep15: Zwischen Duftbäumchen und Plexiglas-Karten: E-Books im Buchhandel?

E-Books sind überall vorhanden: Beim Lesen auf dem Sofa, unterwegs, auf dem Arbeitsplatz, im Netz – nur in den Buchhandlungen noch nicht. Der Arbeitskreis E-Commerce (AK ECOM) stellte während den Subkonferenzen der AKEP-Jahrestagung Konzepte vor, wie E-Books im stationären Buchhandel präsentiert und verkauft werden können.

Es gibt viele Konzepte und Ideen. Allein das Forum Zukunft hat letztes Jahr mit der Arena Digital einen Crowdsourcing-Wettbewerb ins Leben gerufen, um ein zentrales Problem der Buchbranche zu lösen: Wie kann das Digitale sichtbar gemacht werden? In diesem Fall: Wie können Buchhandlungen E-Books präsentieren und verkaufen? Es gab 132 Einreichungen aus 34 Ländern mit mehr oder weniger umsetzbaren Konzepten. Seitdem ist einige Zeit vergangen und der Arbeitskreis E-Commerce hat sich Gedanken gemacht – zu den vorhandenen Konzepten und neuen Problemstellungen.

Warum werden E-Books online gekauft – weitab des stationären Buchhandels? „Weil es sie dort gibt. Weil der Käufer dort einen Account hat. Weil es seine Gewohnheit ist – und weil das Angebot riesig ist“, zählte René Kohl von Kohlibri auf. Und warum klappt der Verkauf von E-Books im Laden bislang nicht? „Weil sie dort nicht sichtbar sind – und der Käufer nichts in die Hand bekommt.“

Die Sichtbarkeit ist eine wichtige Voraussetzung für den Handel mit digitalen Produkten. Dieses Problem haben aber nicht nur Buchhandlungen, sondern auch Shops im Internet. Die unendliche Masse muss kanalisiert werden und eine Relevanz zum potenziellen Käufer herstellen. Das wird online beispielsweise durch Algorithmen gelöst („Kunden, die dieses Produkt kauften, kauften auch…“) – eine oft belächelte Schwäche, die Buchhändler mit ihrer Beratungsleistung für sich nutzen könnten.

Kohl

Doch es ist nicht nur die Sichtbarkeit. In seiner Analyse zählte Kohl die drei wichtigsten Voraussetzungen für den Verkauf von digitalen Produkten auf: Sichtbarkeit, Findbarkeit und Bezahlbarkeit. An der Findbarkeit arbeitet die Buchbranche derzeit: Die Katalogsuche ist kein Problem und die Qualität und Aktualität der Metadaten bessert sich.

Ideen für die Sichtbarkeit von E-Books im Laden gibt es genug. Viele Konzepte basieren auf ein physisches (Ersatz-) Produkt: Das digitale Display, das eine persönliche Auswahl des Buchhändlers im Laden ausstellt. QR-Codes, die vom Kunden für den Kaufvorgang gescannt werden können. E-Books in der Box zum Mitnehmen – in Form von SD-Cards, Tokens mit USB-Abschluss, schicke Karten aus Plexiglas mit Sammelcharakter und sogar E-Books als Duftbäumchen-Anhänger. Die Ideen sind so originell wie skurril.

Die Herausforderung, sowohl technisch als auch konzeptionell, wird die Bezahl- und die Übertragbarkeit sein. Mit ihr gehen folgende Fragen einher: Wie greifen Kunden im Laden auf das Produkt zu, um den Kaufvorgang zu starten? WLAN, NFC, Stick? Bekommen sie die Produkte als Mail zugeschickt? Wo liegt das Datenhosting und wer kann darauf zugreifen? Brauchen Kunden dafür einen eigenen Account? Können sie die digitalen Produkte im Laden bar bezahlen? Wie können Buchhändler nach dem Kauf noch auf den Kunden einwirken? Wie sichert er ihre Daten? Auch die Randbedingungen spielen eine Rolle, beispielsweise die Ladenöffnungszeiten. Steht dem Kunden nach Ladenschluss ein Automat zur Verfügung, über den er E-Books vor Ort beziehen kann? Scannt er QR-Codes aus dem Schaufenster? Wie bekommt er dann eine Quittung?

Kai Wels (rebookr) hat sich in den letzten Monaten auch Gedanken um diese Problematik gemacht und ein eigenes Konzept entwickelt. Im Mittelpunkt steht eine Software, mit der sich Buchhändler ihr eigenes Programm zusammenstellen können, um daraus ihre Präsentationsfläche zu gewinnen. Aus diesem Konzept ist rebookr entstanden. Der Name steht für „retail. ebook. reloaded“ und besteht derzeit aus einem Modulsystem mit drei Einheiten: Display, Curator und Cloud sollen als Gesamteinheit sowohl eine stationäre Präsentation individueller Angebote digitaler Inhalte ermöglichen, als auch mittels Mobile Payment die Abwicklung von Kauf- und Bezahlprozessen gewährleisten. Derzeit ist rebookr. im Konzeptstatus, die technische Umsetzung eines ersten Prototypen ist in Planung.

Frank Maleu (minimore.de) ist gerade dabei, die Konzeptphase zu verlassen. Mit zehn Pilotbuchhandlungen will er booktree umsetzen und ausprobieren. Mit booktree können Kunden in der individuell bestückten E-Book-Boutique ihrer Buchhandlung stöbern und neue Titel entdecken. Vor Ort kann er die Empfehlungen seines Buchhändlers gleich einkaufen und direkt downloaden. Bezahlt wird an der Kasse, bevor der Einkauf auf das Lesegerät seiner Wahl geladen wird.




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