#akep15 Referenten im Interview: Dr. Stephan Erlenkämper, Mayersche

Was sind aus Ihrer Sicht die Technik-Megatrends der nächsten zehn Jahre?

Ich sehe drei Trends:

  1. Wir werden eine noch weitergehende Abstraktion erleben, Spezifikationen von Hardware verlieren an Bedeutung: Speicherplatz, Rechenpower und Content kommen über spezialisierte Dienstleistungsverträge aus der Cloud.
  2. Die durch Cloud-Auslagerung verringerten Anforderungen degenerieren Hardware zum Commodity (Intel plant Rechner im USB-Stick-Format, Rasperry Pi, Amazon Dash-Button). Hardwarekosten verlieren ihre bremsende Wirkung, was das IoT weiter „befeuert“.
  3. Es werden sich API-Standards etablieren, die eine herstellerübergreifende Vernetzung von Objekten zulassen. Hersteller werden merken, dass proprietäre Standards an dieser Stelle die Verbreitung und somit das eigene Geschäftsmodell hemmen. Open-Source wird sich auch an dieser Stelle durchsetzen.

Warum ist IoT gerade jetzt in aller Munde?

Because we can… Der technische Fortschritt hat das IoT aus der technischen Spinnerecke geholt. Schließlich wird schon Jahre darüber sinniert, dass bald das Sofa mit der Stehlampe sprechen wird – aber es ist bis dato immer an technischen Hürden gescheitert. Diese wurden zunehmend abgebaut und es ist schon fast nicht mehr bemerkenswert, dass sich die Kaffeemaschine neue Rezepte aus dem Internet besorgt, die Waschmaschine online eine Reparatur fordert und die Waage mein Gewicht zu facebook postet. Aber will ich das? Es ist an der Zeit, dass wir uns mit den Chancen – und den Gefahren des IoT auseinandersetzen – sowohl wirtschaftlich, als auch informationstechnologisch und nicht zuletzt ethisch. Die Suche nach den großen Geschäftsmodellen hat begonnen…

Was sind aus Ihrer Sicht die interessantesten IoT-Anwendungen derzeit?

Das ist meines Erachtens eine schwierige Frage, da für eine Antwort zunächst definiert werden müsste, wo das IoT anfängt – und wo es aufhört. Ich halte die Bereiche Home-Automation, In-Car-Entertainment und Apple Health für grundsätzlich hochinteressant. Allesamt aber proprietäre Systeme die noch in den Kinderschuhen stecken. Ich bin vollkommen überzeugt, dass das IoT technische Grundlage grandioser Anwendungen sein wird – aber ich habe heute leider noch keine Vorstellung, welche das sein werden.

Warum macht es Sinn über Veränderungen durch das IoT nachzudenken – und welche sehen Sie?

Meiner Ansicht nach wird das IoT nicht nur einen großen Teil der (heute) zwischenmenschlichen Kommunikation ablösen, sondern auch Kaufentscheidungsprozesse automatisieren. Es ist nur noch ein kleiner Schritt vom Dash-Button zur automatischen Nachbestellung durch die Waschmaschine selbst – und vielleicht wird die smarte Glühbirne zukünftig auch selber entscheiden, wo sie wann welchen Strom einkauft.

Ist man als Anbieter dann aber nicht im entsprechenden Netzwerk vertreten, hat man sich aus dem Markt manövriert. Somit ist es unbedingt geschäftsrelevant, auf dem Laufenden zu bleiben. Dies betrifft einerseits Anwendungsmöglichkeiten und deren Implikationen auf Mediennutzung im privaten Umfeld des Kunden. Andererseits ist es gut vorstellbar, dass Kundengeräte (Smartphone, etc.) und Ladeneinrichtungen zukünftig stärker interagieren – weit über die von iBeacons & Co heute gesehene Intensität hinaus. Wer hier nicht mitmacht, Erlebnisse nicht bietet, verliert den affinen Kunden (und gewinnt womöglich den Verweigerer). In jedem Fall sollte es aber eine bewusste Entscheidung sein, etwas zu tun – oder nicht. Die schlechteste aller Optionen ist festzustellen, dass man es verpasst hat.


 

Portrait Erlenkaemper

Dr. Stephan Erlenkämper, Mayersche Buchhandlung KG

Herr Dr. Erlenkämper wurde am 26.08.1975 in Köln geboren und verbrachte seine Schulzeit in Aachen, wo er 1995 sein Abitur ablegte. Im Anschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann und studierte an den Universitäten Aachen und Eichstätt-Ingolstadt Betriebswirtschaft, bevor er am Lehrstuhl für Absatzwirtschaft und Marketing an der bayerischen Universität promovierte.

Es folgten Stationen als Marketingleiter und Prokurist einer Wohnungsbaugesellschaft in Ingolstadt und als International Business Manager bei der Media-Saturn Holding / METRO AG in Ingolstadt. Zuletzt war er als Prokurist bei Paul’s Model Art (Minichamps) tätig und trug die kaufmännische Verantwortung für Konzerngesellschaften in Deutschland, USA und Hong Kong.

Seit Juni 2014 ist er Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung der Mayerschen Buchhandlung KG. In dieser Funktion verantwortet er die Ressorts IT, Technik, Organisation und Direktvertrieb.

 

 

 

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