#akep15: „Das Smartphone war erst der Anfang.“

Einen Blick in die Zukunft werfen? Kein Problem mit Dr. Ulrich Eberl. Der Wissenschafts- und Technikjournalist, Autor und Gründer des Magazins „Pictures of the Future“ von Siemens hat sich der Zukunftsforschung verschrieben. Während der AKEP-Jahrestagung machte er einem Rundumschlag zum Hauptthema „Das Internet der Dinge – wenn Maschinen mehr und besser kommunizieren als Menschen.“

Wie viele Daten sind seit Anbeginn der Menschheit entstanden? Mit dieser Frage führte Eberl in sein Thema ein. Tatsächlich hatte ein Forscher ausgerechnet, wie viele Bücher, Zeitungen, Filme, Audioaufnahmen, Fotos, Gemälde und vieles mehr wir bislang produziert haben und kam auf das beeindruckende Ergebnis von 2 Exabyte. Inzwischen werden so viele Daten pro Tag produziert. „Wir sind mitten drin in dieser exponentiellen Entwicklung.“

Die Daten entstehen nicht nur, wenn Menschen miteinander kommunizieren, sondern inzwischen auch nur von Objekten, beispielsweise in der medizinischen Bildgebung oder von intelligenten Stromzählern. „Das sind alles Things – und keine Menschen“, schloss Eberl und listete auf, wie schleichend sich der Wandel vollzieht. Früher beriet sich der Arzt mit seinen Kollegen, bevor er die Schlussfolgerungen dem Patienten vortrug. Heute gibt es Computersysteme wie „Watson“ von IBM, der sämtliche Diagnose- und Therapie-Wahrscheinlichkeiten miteinander abgleicht und Empfehlungen ausspricht. Früher recherchierte und schrieb ein Journalist seine Artikel, heute werden Sport-, Wetter- und Börsennachrichten teilweise schon von Robotern geschrieben. Diese Entwicklung wird weiter fortgesetzt: „Das Smartphone war erst der Anfang – mit dem Internet der Dinge wird alles smart.“

Ulrich Eberl

Die Zukunft wird auf diese Technik angewiesen sein, wie Ulrich Eberl aufzeigte. Bis 2050 werden wahrscheinlich 9,5 Milliarden Menschen den Planeten bewohnen. Die Generation von Menschen über 65 Jahren wird drei Mal so groß sein wie heute. In gigantischen „Smart Cities“ werden fast so viele Menschen leben wie heute auf der gesamten Welt. Neben dieser demografischen Entwicklung spielt auch die technische eine Rolle: Die Rechenleistung, die Speicherfähigkeit und die Datenübertragung von Mikrochips werden sich bis 2040 vertausendfachen – und wesentlich billiger werden.

Um die demografischen Entwicklungen stemmen zu können, wird die Technik in allen Bereichen unterstützend eingesetzt werden, sei es im Energiesystem, beim Verkehr, der Industrie, den Häusern von morgen oder den Smart Cities. Überall wird die intelligente Vernetzung und der Austausch von Daten essentiell werden – und die daraus folgenden Empfehlungen.

Eberl zählte hierfür Beispiele auf, die teils Zukunftsmusik, teils aber schon umgesetzt werden. Relativ weit ist das Thema IoT bei den Energiesystemen. Egal ob Sonne, Wind oder andere erneuerbare Energien: Die intelligente Verwaltung der Daten wird immer wichtiger, um die Nachfrage planen zu können. Dazu werden immer mehr intelligente Stromnetze ausprobiert, um Schwankungen vorhersehen und berücksichtigen zu können. Im Beispiel Verkehr sind bereits jetzt erste Smart Cars unterwegs, die mit dem Internet, anderen Autos, Gebäuden und mehr kommunizieren. In Zukunft wird das Thema „Mobility on demand“ immer wichtiger, denn nicht jeder möchte ein eigenes Auto besitzen, sondern nur nach Bedarf nutzen. In der Industrie 4.0 werden Roboter lernfähig und sollen gemeinsam mit den Menschen kommunizieren. Schon jetzt gibt es eine Grenze zwischen dem digitalen Raum und der realen Welt: Neue Modelle werden im digitalen Raum konstruiert, getestet, gewartet und erleben einen kompletten Produktzyklus, bevor die ersten Prototypen dieses digitalen Zwillings in der Realität gebaut werden. In den Smart Cities von morgen werden die Verbrauchsdaten gesammelt und Vorschläge zur Optimierung gesammelt, während in den intelligenten Häusern von morgen Sensoren dafür sorgen, dass die Bewohner durch ihre Sprache und Gestik erkannt werden.

Sein Fazit zum Schluss ist schon fast ein wenig lyrisch: „Der Computer verschwindet in den Dingen und ist trotzdem allgegenwärtig. In Zukunft werden mehr Objekte als Menschen miteinander kommunizieren.“ Wohin wird uns diese Entwicklung führen? Zu einer Entmündigung? Oder zu einer Verstärkung von unseren Fähigkeiten? „Trauen wir dem Beifahrer oder dem Navi? Trauen wir einem einzigen Arzt – oder allen?“ Diese Fragen ließ Ulrich Ebel offen und wünschte den Zuhörern auf der AKEP-Jahrestagung trotzdem alles Gute für die Zukunft.




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[…] die Keynotes von Dr. Ulrich Eberl und Kay Herget einen Einblick in die Zukunft und die Technik anderer Branchen gaben, holte Michael […]

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