#akep15: Augmented Reality im Kinderzimmer und in der Buchhandlung

Content für das Internet der Dinge – schön und gut. Aber wie sieht es derzeit mit innovativen Projekten in der Buchbranche aus? Die Teilnehmer der Shortcuts während der AKEP-Jahrestagung bewiesen, dass die Produktentwicklung für aufbereiteten Content weit fortgeschritten ist.

Augmented Reality stellte Stephan Erlenkämper in den Fokus seines Vortrags. Der Technische Leiter der Mayerschen Buchhandlung ist in der Experimentierphase. Sein Ziel ist eindeutig: „Scan it, snap it, shop it – wir wollen Augmented Reality im Buchhandel ausprobieren.“ Im Fall der Mayerschen bedeutet das, die Realität des Betrachters durch technische Hilfsmittel mit Zusatzinformationen zu erweitern. Möglich wird dies durch die App der Mayerschen ( Android | iOS).

Erlenkämper

Klar ist dort ihr Produktkatalog eingebunden, nebst aktuellen Neuigkeiten zu Veranstaltungen und Empfehlungen. Aber ihre App kann mehr: Mit Hilfe der Smartphone-Kamera scannt sie ein Cover – und das Buch wird sofort erkannt. Nicht nur die wichtigsten Metadaten wie Autor, Titel oder Verlag werden dem Nutzer angezeigt, sondern auch Rezensionen aus ihrer Community. Natürlich kann der Titel sofort gekauft werden. Praktisch, wenn ein App-User vor dem Abendessen bei Freunden ein interessantes Buch in deren Regal entdeckt und sich mehr Informationen wünscht. Klar könnte er den Titel in der Suchleiste von Online-Shops eintippen – mit der Mayerschen App reicht allerdings ein kurzer Schwenk mit der Kamera.

Bis die Mayersche sich für diesen Weg entschieden hat, lag ein langer Lernprozess hinter ihnen. Darunter die Erkenntnis, dass eCommerce die Kunden bequem gemacht hat. Sie wollen keine reinen Verkäufe – ihr Ziel ist es, zum Kunden eine Partnerschaft aufzubauen. „Wir wollen, dass der Kunde einen Mehrwert erhält, wenn er bei uns einkauft. So binden wir ihn an uns. Die Herausforderung ist es also, dass wir der Partner für das Lesen werden“, erläuterte Erlenkämper.

Die App mit der Augmented Reality-Funktion war eine Möglichkeit, doch die Spielarten, die sich daraus für Erlenkämper ergeben, sind noch vielfältiger als gedacht: „Auch der Ladenbesuch kann angereichert werden.“ An Weihnachten experimentierte sein Team mit einem Adventskalender, in dem Trigger in den Läden versteckt waren und vom Kunden mit Hilfe der App gescannt werden konnten. Dadurch erhielten sie jeden Tag einen Mehrwert.

Dömer

Nicht nur in der Buchhandlung wird Augmented Reality genutzt, sondern inzwischen auch im Kinderzimmer. Im zweiten Shortcut stellte Markus Dömer, Leiter Business Development im Carlsen Verlag, die Hybrid-Bilderbuch-Serie LeYo! vor. Hinter dem kleinen Löwen verbirgt sich ein einfacher und spielerischer Ansatz: physische Bücher werden mit Hilfe der LeYo!-App multimedial erweitert. Sie nutzen die Augmented Reality-Technik, um Geräusche oder Spiele in den Büchern zu ermöglichen. Die App ( Android | iOS) dazu ist für die interessierten Leser kostenlos.

„It’s not a wow-effect, it’s a concept“, betonte Dömer. Im LeYo!-Konzept spielt die Interaktivität mit den Kindern eine große Rolle. Meistern sie ein Spiel besonders gut, werden sie gelobt. Besonders spannend sind für Dömer die Daten, die generiert werden können: „Das Tracking in Bezug auf Bücher ist neu. Wir erhalten Infos zurück zur Buchbenutzung und können diese Informationen nutzen, um die Weiterentwicklung der App voranzutreiben.“

Einen Schritt weiter geht der Oetinger-Verleger Till Weitendorf mit seinen Joint Ventures TigerBooks und TigerCreate. Für ihn bedeutet die aktuelle Entwicklung im Markt, dass sie Kräfte zusammenlegen und gemeinsame Strategien entwickeln müssen, um Erfolg in der Digitalisierung möglich zu machen.

TigerBooks soll dabei zum digitalen Kinderzimmer werden: Die Kindermedien-App ( Android | iOS) ermöglicht digitales Lesen von Kinderbüchern in einer eigenen Umgebung. Es gibt nicht nur die klassischen Kinderbücher als E-Book, sondern auch die sogenannten TigerBooks – animierte Kinderbücher.

TigerBooks hatte im Dezember 2014 seinen Soft Launch. Mittlerweile hat die Plattform über 100.000 registrierte Nutzer und 140.000 ausgelieferte Medien von 32 Verlagen – auch Filme sind mittlerweile dabei. Mit Hilfe von einem Abo-Modell können Nutzer die Plattform testen – inklusive die mit Augmented Reality-Elementen angereicherten TigerBooks. Laut Weitendorf sind weitere Abo-Modelle geplant, unter anderem für Familien und Hörbücher. Die Plattform ermöglicht es Eltern, ihren Kindern zwischen 2 bis 12 Jahren ein digitales Kinderzimmer mit zum Alter passenden Medien zu bieten – unabhängig vom Verlag.



TigerBooks werden mit einer Software entwickelt. Diese für alle zugänglich zu machen, ist für Weitendorf ein weiterer Schritt, um Augmented-Reality für alle möglich zu machen – besonders wenn es um die Kosten und das Know-How geht. So entstand TigerCreate. Die Software ermöglicht es, alte und neue Kinderbücher digital aufzubereiten. Mit einem WYSIWYG-Editor wird das Erstellen von Animationen möglich und können mit Interaktionen (Sound, Spielen, Texten usw.) angereichert werden. Ein Beispiel für eines der erfolgreichsten Projekte ist Lindbergh.

Till Weitendorf treibt die Idee an, jedem Buch die Möglichkeit zu geben, mit Augmented Reality angereichert zu werden – auch alte Backlist-Titel. „Mein Learning: Macht keine simplen digitalen Produkte – do quality!“




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