AKEP Book Publishers’ Tour – Zwei Erfahrungsberichte

In diesem Jahr hat der AKEP  gemeinsam mit der VDZ-Akademie die AKEP Book Publishers’ Tour ins Leben gerufen. Die erste Reise ging nach London. Im nächsten Jahr macht sich die Reisegruppe auf den Weg nach New York. Wir haben die Initiatoren Anna Metzner (AKEP) und Kai Helfritz (VDZ Akademie) zu Motivation und den ersten Erfahrungen zur Verlegerreise befragt.

Anna Metzner, Verlag für Standesamtswesen

Kai H. Helfritz, VDZ Akademie

 

 

 

 

 

 

 

Die diesjährige AKEP Book Publishers’ Tour ging nach London, welche Erfahrungen haben Sie auf dieser Reise gesammelt? Was waren die Höhepunkte für Sie?

AM:  Zum einen ist es immer anregend, einen Einblick in andere Unternehmen mit anderen Kulturen zu bekommen. In diesem Fall gab es im Februar 2011 in England schon eine viel stärkere Entwicklung hin zu E-Books und auch ganz neuen digitalen Geschäftsmodellen. Besonders interessante Projekte und Geschäftsmodelle fanden sich u.a. bei Cambridge University Press und Harper Collins.

Welches Feedback haben Sie auf die Tour nach London bekommen?

KH: Das Feedback für die erste AKEP Book Publishers´ Tour nach London war sehr positiv, die Premiere ist unserer Meinung nach gelungen! Die Teilnehmer meinten einerseits, dass die Tour inhaltlich sehr hilfreich war, denn englische Verlage zeigten spannende Trends und Innovationen. Andererseits waren der Austausch und das Networking der Teilnehmer untereinander ein immer wieder erwähnter Vorteil. Das hat uns bestätigt, eine neue Tour anzubieten.

Im Mai 2012 geht die 2. AKEP Book Publishers’ Tour nach New York. Wurde das Ziel im Hinblick auf die Vorreiterrolle, die den USA in Bezug auf den E-Book Markt gerne zugesprochen wird, ausgewählt?

KH: Wir sind davon überzeugt, dass der amerikanische Markt trotz aller Unterschiede zum deutschen Buchmarkt eine Vorreiterrolle im Bereich des

e-Publishing hat. Beispielsweise ist die Verbreitung der e-Reader viel weiter vorangeschritten, zum Beispiel forcieren die Händler wie Barnes & Noble oder auch Amazon die Verbreitung der Endgeräte. Die Verfügbarkeit der e-Reader ist ein wichtiger Markttreiber für den erfolgreichen Vertrieb von E-Books. Der E-Book-Markt hat in den USA bereits eine wirtschaftlich relevante Größenordnung erreicht und wächst weiter schnell, schon in 2010 bestand ein Marktanteil von 8,3 %, in 2011 wird der Marktanteil sich mindestens verdoppelt haben. Der rasante Anstieg wird sich auch im Weihnachtgeschäft widerspiegeln. Somit sind mehr Erfahrungen auf Seiten der Inhalte/Produkte, der Leser und der Geschäftsmodelle in den USA vorhanden. Diese Voraussetzungen haben uns fast gezwungen, die USA als Ziel für die Tour auszuwählen.

Nach welchen Kriterien wurden die Unternehmen ausgesucht?

KH: Mit dem Programm verfolgen wir das Ziel, Verlage und deren e-Publishing Strategie und Erfahrung kennen zu lernen und andererseits solche Startup-Unternehmen zu sehen, die Geschäftsmodelle mit völlig anderen Augen und Voraussetzungen entwickeln. Es geht uns darum, dass wir vor Ort zeigen können, wie die Amerikaner die Herausforderungen und Chancen im e-Publishing umsetzen. Die Diskussion mit den Kollegen ist uns dabei genauso wichtig wie die reine Wissens- und Erfahrungsvermittlung. Insbesondere die Diskussionen während der meetings bringen oft Erkenntnisse, die man ansonsten nicht erhält.

 

Was dürfen die Teilnehmer erwarten?

KH: Im Mittelpunkt der Tour stehen Unternehmensbesuche z.B. bei den Verlagen Bloomsbury, Columbia University Press, Random House, Oxford University Press USA, Frommers und John Wiley & Sons. Weiterhin werden wir Startup Unternehmen wie bookish.com oder Vook besuchen, die neue und innovative Wege im E-Publishing beschreiten. Ebenso steht der Buchhandel/-vertrieb mit Barnes & Noble und Amazon auf dem Programm. Alle Termine drehen sich um Strategien, Trends und Innovationen des E-Publishings im stationären oder mobilen Internet.

 

Was erhoffen Sie sich persönlich von der AKEP Book Publishers’ Tour?

AM: Der E-Book Markt, die Digitalisierung von Inhalten und der Umgang mit diesen im Internet, verändert die Buchbranche nachhaltig. Wir Verleger müssen uns diesen Herausforderungen stellen. Ein Einblick in die aktuellen Entwicklungen auf dem US-Markt wird uns neue Erkenntnisse bringen, die die eigenen Entscheidungen beeinflussen können. Durch die Schnelligkeit des Marktes ist jede professionelle Begegnung und Diskussion förderlich.

 

Wie Schnittman in dem Interview angibt, machen E-Books aktuell 25-30 Prozent aller Buchkäufe in den USA aus. Ist ein solcher Marktanteil Ihrer Meinung nach auch in Deutschland zu erwarten bzw. wann ist mit solchen Zahlen hier zu rechnen?

 

KH: Ich bin davon überzeugt, dass auch in Deutschland E-Books einen weitaus größeren Marktanteil haben werden als bisher. Wie groß der Marktanteil sein wird, ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig, dazu gehören unter anderem Verfügbarkeit der Endgeräte und Inhalte, das Pricing und das sich ändernde Konsumverhalten.

 

Gibt es etwas, das die amerikanischen Branchenakteure im Gegenzug von ihren deutschen Kollegen lernen können?

AM: Der deutsche Buchmarkt hat einige Vorteile, auf die die Kollegen aus den USA neidisch sein können. Zum Beispiel gibt es eine hohe und flächendeckende Anzahl von Buchhändlern, ebenso ist die Buchpreisbindung von Vorteil. Aber diese Situation werden die Amerikaner nicht ändern können. Beim klassischen Buch haben die europäischen Verlage in punkto herstellerische Qualität immer noch die Nase vorn. Ob das bei den digitalen Produkten auch der Fall sein wird, bleibt abzuwarten.

Wer wird mit der Tour angesprochen?

KH: In erster Linie sprechen wir mit dieser Tour Verlage an, welche Bücher verlegen und sich im e-Publishing positionieren wollen. Damit geht auch einher, dass Akteure, die in der Wertschöpfungskette der Buchbranche eine wichtige Position haben, z.B. Buchhändler oder Dienstleister, sich angesprochen fühlen.

 

Wird es neben den Unternehmensbesuchen auch Platz und Zeit zum Networking gegeben?

KH: Neben den Unternehmensbesuchen wird auch eine Networking Veranstaltung mit dem amerikanischen Verband AAP stattfinden. Wir wollen damit die Möglichkeit geben, über die Termine hinaus mit den amerikanischen Kollegen sehr individuell sprechen zu können und ein internationales Networking aufzubauen. Wir haben immer wieder erlebt, dass auch nach der Tour die Kontakte gepflegt werden.

 

Wie entstand die Idee zu einer Zusammenarbeit von VDZ-Akademie und AKEP?

AM: Das Angebot der Reisen der VDZ Akademie war schon immer reizvoll, es war aber auf Verlage von Fachzeitschriften ausgerichtet, die andere Unternehmen im Focus haben als die Buchverlage. Nach unseren ersten gemeinsamen Gesprächen wurde schnell klar, dass die VDZ Akademie zusammen mit dem AKEP ein solches Angebot auch für Buchverlage anbieten kann.

KH:  Die Zusammenarbeit ist aus unserer Sicht eine ideale Besetzung, da einerseits der AKEP sein Serviceangebot an seine Mitglieder ausbauen kann und die inhaltliche Kompetenz zur Vorbereitung der Tour beiträgt. Die VDZ Akademie bringt wiederum das vielfältige, bewährte und internationale Netzwerk ein und das Knowhow für die inhaltliche und organisatorische Planung.

 

Und 2013? Welche spannenden Ziele können Sie sich für die nächsten Verlegerreisen vorstellen?

KH: Es gibt bereits jetzt einige Ideen, dazu gehören sicherlich Länder wie Japan, welche spannende Fortschritte im mobilen Internet und den damit verbundenen Geschäftsmodellen machen. Nach der New York Reise werden wir uns mit dem AKEP Sprecherkreis zusammensetzen und diskutieren, wohin die Reise in 2013 gehen wird.

Informationen zur Anmeldung und Ablauf gibt es unter: www.vdz-akademie.de und www.akep.de

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